Krafttraining ist weit mehr als Muskelaufbau aus ästhetischen Gründen: Es beeinflusst kardiometabolische Gesundheit, Körperzusammensetzung und sogar die kognitive Leistungsfähigkeit. Doch erst die Verbindung von wissenschaftlicher Evidenz und praktischer Umsetzung macht es zu einem effektiven Instrument für Gesundheit, Prävention und funktionelle Leistungsfähigkeit. Wer als Gesundheitspartner überzeugen will, braucht mehr als gute Geräte: Entscheidend sind fundierte Trainingskonzepte, objektive Referenzdaten und ein klares Verständnis für Qualität in der Anwendung.
Die Fitnessbranche ist heute so vielfältig wie nie zuvor. Während Lifestyle, Ästhetik und persönliche Performance seit Jahren zentrale Elemente des Marktes bilden, gewinnen zunehmend auch evidenzbasierte Konzepte Aufmerksamkeit, die auf Wissenschaft und Wirksamkeit basieren. Die Herausforderung liegt im Spannungsfeld zwischen Image und Substanz – denn wer Gesundheit kommuniziert, muss sie auch faktisch messbar und erlebbar machen.
Trainingspraxis zwischen Evidenz und Technologie
Die Wissenschaft liefert klare Erkenntnisse über die präventiven und therapeutischen Effekte gezielter Muskelarbeit. Studien belegen, dass korrekt dosiertes Krafttraining unter anderem die kardiometabolische Gesundheit fördert, altersbedingtem Abbau entgegenwirkt sowie zentrale Faktoren wie Glukosestoffwechsel und Körperzusammensetzung positiv beeinflusst (Abou Sawan et al., 2022; Feng et al., 2025; Liang
et al., 2021). Gleichzeitig bieten digitale Tools neue Möglichkeiten, Trainingsparameter objektiv zu erfassen. Jedoch sind Daten immer nur so gut wie ihre Interpretation – und Technologie ist nur dann ein Fortschritt, wenn sie zur Stärkung der Selbstwirksamkeit beiträgt, nicht zur Überforderung. Sensorik, Softwarelösungen und KI-gestützte Systeme ermöglichen eine präzisere Steuerung – allerdings nur, wenn sie von qualifizierten Fachpersonen kontextualisiert und angewendet werden. Technologie ersetzt nicht die menschliche Betreuung,
sondern erweitert deren Wirkungsspielraum. Dabei sind ein fundiertes sowie präzises Verständnis der physiologischen Grundlagen ebenso entscheidend wie die Fähigkeit zur empathischen Kommunikation und zur wirksamen Vermittlung.
Gesundheit als Anspruch und Auftrag
Die aktuelle Image-Studie des DSSV in Kooperation mit der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement (DHfPG) zeigt deutlich: Die Bevölkerung misst der Fitnessbranche ein hohes gesundheitliches Potenzial bei – knüpft dieses Vertrauen jedoch unmittelbar an die Qualität der Betreuung und die Kompetenz des Personals (DSSV, 2025). Vor allem Nichtmitglieder äussern Vorbehalte, dass das versprochene Gesundheitsprofil nicht glaubhaft eingelöst wird. Ein schlüssiger Qualitätsnachweis wird zur Voraussetzung für Akzeptanz – innerhalb und ausserhalb der Branche. Das Ziel ist klar: eine stärkere Anerkennung als relevanter Gesundheitspartner, die professionelle Positionierung im Bereich Prävention sowie ein gestärktes öffentliches Vertrauen. Prof. Dr. David Aguayo ist Forschungsleiter der Kieser Training AG. Er befasst sich mit der Generierung normativer Daten über das Muskeltraining. Im Interview spricht er über Chancen und Risiken der Digitalisierung in der Trainingssteuerung, über notwendige Brücken zwischen Forschung und Praxis – und über die Frage, was es braucht, damit die Branche als glaubwürdiger Gesundheitsanbieter wahrgenommen wird.
Auszug aus der Literaturliste
Abou Sawan, S., Nunes, E. A., Lim, C., McKendry, J., & Phillips, S. M. (2022). The health
benefits of resistance exercise: Beyond hypertrophy and big weights. Exercise, Sport
and Movement, 1(1), e00001.
DSSV-Arbeitgeberverband deutscher Fitness- und Gesundheits-Anlagen e. V. (Hrsg.).
(2025). Das Image der Fitnessbranche. Hamburg: Hrsg.
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