Katharina Roer, Head of Sales & Marketing bei der ratio AG, verbindet berufliche Verantwortung mit sportlichem Ehrgeiz. 2022 erfüllte sie sich zum ersten Mal den Traum einer Teilnahme am Ironman auf Hawaii. 2025 kehrte sie erneut nach Kona zurück. Im Interview spricht sie über ihre Erlebnisse bei dem prestigeträchtigen Rennen und darüber, was Triathlon sie für ihren Beruf gelehrt hat.
FITNESS TRIBUNE: Katharina, die Ironman-WM auf Hawaii gilt für viele als dieses eine grosse sportliche Ziel, das man im Leben erreichen möchte. Du bist nun schon zum zweiten Mal in Kona an den Start gegangen. Was macht für dich persönlich dieses Rennen so besonders?
Hawaii ist einfach magisch. Es ist nicht nur eine Weltmeisterschaft, für die man sich qualifizieren muss,
sondern auch der Ursprung unseres Sports. Hier wurde der Ironman geboren. Es ist der Ort, an dem die Idee entstand, diese drei Sportarten miteinander zu kombinieren. Wenn du dort am Start stehst, zusammen mit den Besten der Besten, spürst du diese Energie – die Hitze der vulkanischen Erde, den Wind, die Geschichte. Man hat das Gefühl, Teil von etwas Grösserem zu sein.
Wie waren die Bedingungen beim Ironman-Hawaii?
Heiss, feucht und fordernd – wie immer in Kona. Wir hatten rund 32 Grad und viel Wind. Das Wasser war 27 Grad warm – fast wie in der Badewanne – und durch den Regen am Morgen war die Luftfeuchtigkeit enorm. Ich trainiere oft auf Lanzarote, aber Hawaii ist noch mal eine andere Liga. Glücklicherweise konnte ich dieses Jahr damit aber sehr gut umgehen.
Wie lange hat es gedauert, bis du dich zum ersten Mal für eine Teilnahme dort qualifiziert hast?
Bei uns Frauen gibt es leider deutlich weniger Startplätze als bei den Männern. Da braucht man im Regelfall einiges an Geduld und Beharrlichkeit – und ein perfektes Rennen. 2011 bin ich zum ersten Mal beim Ironman in Frankfurt gestartet. Die erste Quali für Hawaii habe ich 2013 geschafft, konnte das Rennen aber wegen Pfeifferschem Drüsenfieber nicht wahrnehmen. Erst 2022 hat es dann wirklich geklappt.
Welche Eigenschaften sind im Triathlon deiner Meinung nach besonders wichtig, um erfolgreich zu sein?
Vor allem Leidenschaft, Motivation und Selbstdisziplin. Du musst den Weg lieben, nicht nur den Wettkampf. Es gibt viele Tage, an denen man keine Lust hat, aber genau da wächst man. Und man muss auch mit Rückschlägen umgehen können. Es läuft nie alles perfekt. Ausserdem ist ein gutes Zeitmanagement enorm wichtig – vor allem, wenn man wie ich Vollzeit arbeitet. Es ist ein ständiges Jonglieren zwischen Arbeit, Training und Alltag. Ich plane alles sehr genau, aber ich erlaube mir auch gleichzeitig, flexibel zu sein. Zum Glück ist mein Mann ebenfalls Triathlet. Wir verstehen uns ohne viele Worte und unterstützen uns gegenseitig. Triathlon ist Teil unseres Lebens,
ein Lifestyle – kein Zusatzprogramm.
Du arbeitest als Head of Sales & Marketing bei der ratio AG. Das ist kein klassischer „nine-to-five-Job“. Würdest du sagen, dass dir die beschriebenen Eigenschaften auch bei der Arbeit helfen?
Absolut. Ich merke oft, wie stark sich beides gegenseitig beeinflusst. Im Triathlon lernst du, grosse Ziele in kleine Etappen zu unterteilen – genau das hilft mir auch in Projekten im Job. Wenn etwas sehr komplex ist, teile ich es auf, setze Prioritäten und arbeite Schritt für Schritt, ohne dabei das Wesentliche aus den Augen zu verlieren. Das gibt Struktur und nimmt den Druck. Ausserdem habe ich durch den Sport gelernt, fokussiert zu bleiben, auch wenn es anstrengend wird. In der täglichen Arbeit, gerade in so einer Schlüsselfunktion, läuft auch nicht immer alles nach Plan – genauso wie im Training. Dann hilft es, ruhig zu bleiben, flexibel zu reagieren und analytisch den nächsten Schritt einzuleiten. Und vielleicht das Wichtigste: Triathlon hat mir Selbstvertrauen gegeben. Wenn du weisst, dass du auf Hawaii ins Ziel kommst, dann weisst du auch, dass du im Beruf vieles schaffen kannst. Das eine beflügelt das andere – auf beiden Ebenen geht es darum, dranzubleiben und sich immer wieder neu zu motivieren.
Wie sieht dein Training konkret aus?
Im Schnitt trainiere ich circa zwölf Stunden pro Woche, in der„heissen Phase“ etwas mehr, wobei ich längere Einheiten natürlich am Wochenende absolviere. Neben Schwimmen, Radfahren und Laufen gehören Mobility und insbesondere Krafttraining dazu – als „vierte“ Disziplin ist das besonders wichtig, um Verletzungen vorzubeugen, aber auch für eine bessere Performance. Mein Coach baut das gezielt ein. Er arbeitet sehr wissenschaftlich und mit viel Gefühl und Erfahrung.
Du bist eine routinierte Triathletin und betreibst den Sport seit Jahren. Dennoch hast du dir mit Dan Aeschliman einen erfahrenen Coach an die Seite genommen. Warum?
Weil man zu nah an sich selbst dran ist. Da verliert man manchmal den Blick für das Ganze. Dan sieht die Dinge objektiver und bremst mich, wenn ich zu viel will, oder fordert mich, wenn ich mal etwas nachlasse. Ich gebe ihm Feedback, er wertet meine Daten aus, plant das Training – und ich kann mich einfach auf die Umsetzung konzentrieren. Und ja, manchmal ist er auch ein wenig „Psychologe“.
Kommen wir zurück nach Hawaii – wie lief dein Rennen?
Ich war 1:12 Stunden im Wasser, das lief perfekt. Auf dem Rad hatte ich Bombenbeine, 5:47 Stunden, trotz Gegenwind. Das Laufen war anfangs super, dann bekam ich plötzlich Seitenstechen und später starke Schmerzen in beiden Füssen. Da musste ich umdenken, mir neue Zwischenziele setzen. Am Ende bin ich nach insgesamt 11:47:11 Stunden ins Ziel.
Was bleibt dir am meisten in Erinnerung?
Definitiv der Zusammenhalt unter uns Frauen. Es war unglaublich fair. Kein Windschattenfahren, kein Ellenbogenrennen. Wir haben einander angefeuert. Das war pure Gemeinschaft. Und natürlich der Moment im Ziel: Als ich in den Zielkanal eingebogen bin, die Menschen jubelten, mein Name auf der Leinwand stand – das war unbeschreiblich. Ich bekomme jetzt noch Gänsehaut.
Und was kommt als Nächstes?
Hawaii hat eine unglaubliche Faszination, und ja – irgendwann möchte ich noch einmal dorthin. Ich weiss, dass ich noch nicht auf meinem Zenit angekommen bin, und will mich in jedem Fall weiter verbessern. Aber jetzt darf es erst mal etwas ruhiger werden. Trotzdem mache ich weiter, weil mich der Sport erdet und gleichzeitig inspiriert.





