Pilates für verschiedene Zielgruppen

Was haben Rückenschmerzen, Schwangerschaft und Jugendsport gemeinsam? Sie alle können durch Pilates positiv beeinflusst werden! Wissenschaftliche Studien zeigen, wie vielseitig und effektiv dieses Training ist – egal, ob für Mütter, Senioren oder Jugendliche.

Pilates, von Joseph Pilates im 20. Jahrhundert entwickelt, ist ein vielseitiges Übungssystem, das kontrollierte Bewegungen zur Stärkung der Rumpfmuskulatur, Verbesserung der Körperhaltung und Erhöhung der Flexibilität nutzt. Es fördert nicht nur die Rumpfstabilität, sondern auch das Gleichgewicht und die Körperwahrnehmung, was es für diverse Zielgruppen wertvoll macht. Pilates hat also viele positive Effekte – und das für verschiedene Bevölkerungsgruppen, einschliesslich Menschen mit Rückenbeschwerden, älterer Erwachsener, Schwangeren sowie Kindern und Jugendlichen.

Pilates bei Rückenschmerzen

Die Übersichtsarbeit «The effectiveness of Pilates exercise in people with chronic low back pain: a systematic review» von Wells et al. (2014) untersuchte die Wirksamkeit von Pilates-Übungen bei Personen mit chronischen unspezifischen Rückenschmerzen (CLBP). Ziel war es, durch eine systematische Übersicht randomisierter kontrollierter Studien (RCTs) festzustellen, ob Pilates signifikante Verbesserungen in Bezug auf Schmerzen und funktionelle Fähigkeiten bietet. Die Forschenden durchsuchten eine Vielzahl von medizinischen Datenbanken und identifizierten insgesamt 152 Studien, von denen 14 die Einschlusskriterien erfüllten. Zwei unabhängige Gutachter bewerteten die methodologische Qualität dieser RCTs und extrahierten relevante Informationen. Die Ergebnisse zeigten, dass Pilates-Übungen kurzfristig signifikante Verbesserungen bei Schmerzen und funktionellen Fähigkeiten im Vergleich zu üblicher Pflege und körperlicher Aktivität zwischen vier und 15 Wochen nach Trainingsbeginn bewirkten. Es wurden jedoch keine signifikanten Unterschiede nach 24 Wochen festgestellt. Darüber hinaus gab es keine konsistenten statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Verbesserungen durch Pilates, Massagetherapie oder andere Übungsformen. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass Pilates-Übungen kurzfristig wirksamer sind als übliche Behandlungsmethoden und vergleichbare Effekte wie Massagetherapie bieten. Zukünftige Forschungen sollten sich auf die Optimierung von Pilates-Übungsdesigns konzentrieren, um herauszufinden, ob bestimmte Gruppen von Menschen mit CLBP besonders profitieren können.

Pilates für ältere Erwachsene

Mit zunehmendem Alter sind viele Menschen von Muskelabbau, verminderter Flexibilität und Gleichgewichtsstörungen betroffen. Carral et al. (2014) führten eine randomisierte kontrollierte Studie durch, die ergab, dass Pilates signifikante Verbesserungen in der Balance und Mobilität älterer Erwachsener bewirken kann. Diese Effekte können das Sturzrisiko reduzieren, was besonders für die ältere Bevölkerung von Bedeutung ist. Eine systematische Übersichtsarbeit von Metz et al. (2021) wurde mit dem Ziel durchgeführt, die Auswirkungen von Pilates-Übungen auf physisch-funktionale Aspekte und die Lebensqualität älterer Erwachsener zu bewerten. Die Untersuchung betrachtete verschiedene relevante Parameter, darunter Gleichgewicht, Muskelkraft, Lebensqualität, Stimmung, Autonomie und Flexibilität. Die Autoren schlossen randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) ein, die Pilates als Intervention verwendeten und eine Kontrollgruppe zum Vergleich hatten. Die Daten wurden aus mehreren wissenschaftlichen Datenbanken (Pubmed, Web of Science, LILACS, Cochrane Library und EMBASE) gesammelt. Insgesamt wurden 1639 Studien identifiziert, von denen 28 Artikel (24 RCTs mit insgesamt 897 Teilnehmenden) in die Analyse aufgenommen wurden. Der Grossteil der Teilnehmenden war weiblich. Eine Reduktion der Zeit um 0,92 Sekunden bei der Durchführung des Timed Up and Go (TUG) wurde in den RCTs beobachtet, was auf eine Verbesserung der Mobilität hinweist. Obwohl die Metaanalyse keine signifikanten Unterschiede auf der Berg-Balance-Skala ergab, zeigt die Studie das Potenzial von Pilates als vorteilhafte Trainingsmethode für ältere Erwachsene, um physisch-funktionale Leistungen zu verbessern und möglicherweise die Lebensqualität zu steigern.

Pilates für Schwangere und junge Mütter

Pilates für Schwangere und junge Mütter hat besondere Anforderungen und wird oft angepasst, um die körperlichen Veränderungen und speziellen Bedürfnisse in der Schwangerschaft zu berücksichtigen. Pilates ist dafür bekannt, die Beckenbodenmuskulatur zu stärken und Rückenschmerzen zu lindern, was das Risiko von Inkontinenz nach der Geburt reduzieren kann (Viereck et al., 2021).

Eine gründliche Überprüfung der Bewegung während der Schwangerschaft von Nascimento et al. (2012) zeigte, dass regelmässige körperliche Aktivität wie angepasstes Pilates positive Effekte auf die kardiovaskuläre Fitness und das allgemeine Wohlbefinden von Schwangeren hat. Vor allem bei Frauen mit Gestationsdiabetes kann körperliche Aktivität den Insulinbedarf senken, was die Belastung durch zusätzliche medizinische Interventionen mindern könnte. Es gibt jedoch Bedenken, dass klassische Pilates-Übungen nicht immer optimal für Schwangere sind, besonders Übungen mit starken Rumpfbeugen. Da der Schwerpunkt in der Schwangerschaft verlagert ist und die Bauchmuskeln gedehnt werden, könnten Rumpfbeugen oder intensives Bauchmuskeltraining unangebracht sein und das Risiko für Beschwerden wie Rückenschmerzen erhöhen. Deshalb empfehlen viele Experten und Trainer speziell angepasste Pilates-Programme, die sich auf kontrollierte, sanfte Bewegungen und stabilisierende Übungen konzentrieren. Diese Programme minimieren die Anzahl an Rumpfbeugen und beinhalten stattdessen Übungen, die Beckenboden, untere Rücken- und Gesässmuskulatur sanft stärken und das Gleichgewicht fördern. Die Anpassung von Pilates für Schwangere sollte besonders für Frauen berücksichtigt werden, die zuvor nicht aktiv waren, indem die Intensität mild bis moderat gehalten wird. Zudem sollten die Trainingseinheiten überwacht werden, um die Ausführungen zu optimieren und eine sichere Umgebung für Mutter und Kind zu gewährleisten.

Pilates für Kinder und Jugendliche

Die systematische Überprüfung und Metaanalyse von Cibinello et al. (2023) untersuchte die Auswirkungen von Pilates auf Kinder und Jugendliche, um die Evidenz für diese Trainingsform im Hinblick auf gesundes Wachstum und Entwicklung zu evaluieren. Angesichts der zunehmenden Nutzung von Pilates sowohl als eigenständige Übung als auch als ergänzendes «Werkzeug» in der pädiatrischen Rehabilitation, zielte die Studie darauf ab, die Vorteile von Pilates in dieser Altersgruppe zu unterstützen. In der Untersuchung wurden fünf elektronische Datenbanken nach randomisierten kontrollierten Studien und quasi-experimentellen Studien durchsucht, die Kinder oder Jugendliche als Teilnehmende hatten und Pilates-Übungen (auf Matten oder Geräten) beinhalteten. Die Studien, die sich mit gesundheitlichen und körperlichen Leistungsfähigkeiten befasst hatten, wurden analysiert. Insgesamt erfüllten 15 von 945 gesichteten Studien die Einschlusskriterien und umfassten 1235 Teilnehmende. Hierbei zeigte sich ein signifikanter positiver Trend zur Verbesserung der Flexibilität in der Pilates-Gruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe. Diese Ergebnisse belegen zwar einerseits, dass Pilates eine effektive Möglichkeit zur Verbesserung der Beweglichkeit bei Kindern und Jugendlichen ist, andererseits wird dadurch auch die Notwendigkeit zur Durchführung weiterer Forschungsarbeiten unterstrichen, um die potenziellen Vorteile von Pilates für diese Altersgruppe besser verstehen und bestätigen zu können.

Fazit

Pilates zeigt sich als effektive Methode zur Förderung der körperlichen Gesundheit in verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Es bietet signifikante Vorteile für Menschen mit Rückenschmerzen, verbessert die Mobilität älterer Erwachsener und unterstützt schwangere Frauen sowie Kinder und Jugendliche bei der Entwicklung einer gesunden Körperhaltung. Die Evidenz legt nahe, dass Pilates auch therapeutische Vorteile bieten kann, die durch zukünftige Untersuchungen weiter erforscht werden sollten.

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