Barry´s erobert Zürich

Mit dem ersten Barry’s Studio der Schweiz bringt Unternehmerin Julia Röthlisberger ein international etabliertes Boutiquekonzept nach Zürich. Im Gespräch mit der FITNESS TRIBUNE spricht sie über Community, Markenführung und operative Herausforderungen – und zeigt, warum Barry’s weit mehr ist als ein schweisstreibendes Workout. Ein Studioporträt mit Einblicken hinter die Kulissen und einem Erlebnisbericht aus dem Red Room.

Barry’s ist mehr als ein Ort für schweisstreibende Workouts. Die Marke steht für ein Trainingserlebnis, das Energie, Tempo und Gemeinschaft in den Mittelpunkt rückt. Was Ende der 1990er-Jahre in Los Angeles als ambitioniertes Trainingsformat begann, entwickelte sich zu einem internationalen Boutique-Fitness-Konzept mit über 80 Standorten weltweit, darunter Metropolen wie Stockholm, Paris, Dubai oder Sydney.

Die Geschichte von Barry’s liest sich wie ein klassischer Aufstieg vom Insidertipp zur Kultmarke. Ursprünglich als persönliches Trainingsangebot gedacht, zog das intensive Gruppenformat schnell eine treue Community an. Entscheidend war nicht nur das Training selbst, sondern das Gefühl, Teil von etwas Besonderem zu sein. Mit wachsender Nachfrage wurde aus dem von Barry Jay, John und Rachel Mumford gegründeten lokalen Konzept ein international erfolgreiches Franchise-Modell. Jeder Standort transportiert den gleichen Spirit – ob Kursaufbau, Musikauswahl oder zeitliche Taktung. Diese Wiedererkennbarkeit schafft Vertrautheit, ohne monoton zu wirken. Ein gelungener Balanceakt zwischen Standardisierung und Erlebnis.

Das Herzstück jedes Barry’s Studios ist der ikonische Red Room – kein Tageslicht, dafür eine tief rote Beleuchtung. Energiegeladene Musik und eine bewusst reduzierte Umgebung lenken den Fokus auf Bewegung und Rhythmus. Das Training kombiniert Laufbandsequenzen mit funktionellen Kraftübungen. Der stetige Wechsel sorgt für Dynamik und hält die Spannung über das gesamte Workout hoch. Die klare Dramaturgie des Trainings und die Anleitung durch charismatische Coaches, die Motivation und Atmosphäre massgeblich prägen, schaffen ein Erlebnis, das für die Community-Mitglieder weit über klassische Kursformate hinausgeht.

Eine Trainingseinheit dauert in der Regel 60 Minuten und folgt dem Prinzip des High-Intensity-Intervalltrainings (HIIT). Kurze, hochintensive Belastungsphasen wechseln sich mit gezielten Erholungsintervallen ab. Trotz des Gruppenformats bleibt Raum für individuelle Intensitätsanpassungen. Am Ende entsteht ein starkes Gemeinschaftsgefühl, getragen von Musik, Licht und kollektiver Anstrengung. Vermutlich macht genau diese Verbindung Barry’s für viele zu einem festen Bestandteil des urbanen Lifestyles.

Dank des Engagements von Julia Röthlisberger erreicht die internationale Geschichte von Barry’s nun auch die Schweiz. Mitte November 2025 öffnete das erste Barry’s Studio in Zürich seine Türen. Im Interview mit der FITNESS TRIBUNE spricht die junge Unternehmerin über ihre persönliche Motivation, das Erfolgsrezept von Barry’s und die besonderen Herausforderungen eines Boutique-Fitnesskonzepts auf Topniveau.

Julia, mit der Eröffnung des ersten Barry’s in der Schweiz, genauer gesagt in Zürich, gehörst du sozusagen zu den Pionierinnen der Schweizer Fitnessbranche. Wie ist die Idee damals bei dir entstanden?

Der Auslöser war Kopenhagen. Ich war beruflich dort für ein paar Monate, hatte natürlich kaum Kontakte – und wie findet man am besten Anschluss in einer neuen Stadt? Über Community. Freunde hatten mir zuvor schon häufig von Barry’s erzählt. Ich kannte es nur von Instagram und aus Metropolen wie London oder New York – also bin ich hin, habe mein erstes Workout gemacht und war sofort total angefixt. Es war brutal anstrengend, aber diese Clubatmosphäre – laute Musik, rotes Licht, volle Energie – hat nach der Covid-Zeit einfach extrem gutgetan. Und das Faszinierende: Nach der Class laufen alle mit einem riesigen Lächeln raus, reden miteinander, connecten. Dieses „gemeinsam leiden“, auf eine absolut gute und positive Art, hatte ich so noch nie erlebt.

Wann entstand aus dem Fan-Dasein der Entschluss, Barry’s nach Zürich zu bringen?

Als ich zurück in Zürich war, habe ich es wirklich vermisst. Ich kenne die Stadt, bin hier aufgewachsen, kenne die Leute, habe ein Netzwerk. Ich habe mir gedacht: Ich will Barry’s auch hier! Ich weiss es noch ganz genau: Es war der vierte Juli, ich lag auf dem Sofa und habe auf Instagram recherchiert. Dabei bin ich auf meinen heutigen Geschäftspartner Johan Nilsson gestossen. Er hat enorme Erfahrung und war schon in mehreren Regionen auf der Welt am Aufbau von Barry’s Studios beteiligt. Ich habe ihm geschrieben: „Ich bin der grösste Barry’s Fan und will Barry’s in die Schweiz bringen – telefonieren?“ Drei Stunden später kam seine Antwort. Wir haben gesprochen – und ich habe sofort gemerkt: Das ist dieser Barry’s Vibe. Supportive, offen, unkompliziert.

Wie lief der Start in Zürich?

Extrem gut. So gut, dass wir nach nur wenigen Wochen weitere Classes einrichten mussten, weil wir immer komplett ausgebucht waren. Im Moment bieten wir 45 Classes pro Woche an. Von allen Barry’s Clubs haben wir den bisher erfolgreichsten Start überhaupt hingelegt.

Wo lagen für dich die grössten Herausforderungen?

Ganz klar beim Umbau. Viele denken: „Boutique, kleiner Raum, das geht schnell.“ Aber der Red Room ist technisch hochkomplex – eine Box in der Box. Aufgrund von Vibrationen und Schallübertragung dürfen keine Elemente direkt auf Wände oder Säulen wirken. Dazu kommen die klassischen Knackpunkte im Boutique-Business: Location, Prozesse – und vor allem das Team. Am Ende steht und fällt alles mit dem Standort und den Menschen.

Was zeichnet das Konzept von Barry’s konkret aus?

Bei uns dauert eine Class 60 Minuten. Effektiv sind es 48 Minuten Training: halb Treadmill, halb Floor. Dadurch ist es nicht nur Cardio, sondern eine echte Kombination aus Ausdauer und Kraft – mit genug Zeit, um im Strength-Part eine echte Wirkung zu erzielen. Wer nicht laufen kann oder will, hat die Möglichkeit Double Floor zu buchen. Wir haben 21 Laufbänder, 21 Floor-Plätze plus drei zusätzliche Optionen für reinen Floor-Fokus. Unter der Woche liegt der Fokus jeweils auf spezifischen Muskelgruppen (z. B. Arms & Abs, Abs & Ass oder Lower Body Focus). Am Wochenende werden Full-Body-Workouts angeboten – mit wechselnden Schwerpunkten wie Upper oder Lower Body.

Barry’s wird oft mit Spirit und Community gleichgesetzt. Ist das einfach da – oder muss man es aktiv gestalten?

Beides. Die Brand hat eine enorme Anziehungskraft, und die Community war in Zürich gefühlt schon da, bevor wir geöffnet haben – als ob sie nur darauf gewartet hätten. Das haben wir im Vorverkauf und über Social Media gemerkt. Aber natürlich musst du es aktiv leben – und das beginnt bei der Personalauswahl. Du willst Menschen, die nicht einfach einen Job erledigen, sondern diese Energie leben und ausstrahlen.

Barry’s Coaches gelten als Schlüssel zum Erlebnis. Nach welchen Kriterien rekrutierst du?

Fachlich erforderlich sind mindestens eine Personal-Trainer-Zertifizierung sowie fundierte Praxiserfahrung. Danach zählt vor allem die Persönlichkeit: Du stehst vor über 40 Leuten, musst Energie geben, motivieren, aber auch sauber coachen. Und du musst musikalisch liefern – wie ein DJ, der Spannung aufbaut. Alle unsere Coaches waren für zwei Wochen in New York zum Onboarding und wurden von Barry’s Global geschult. Bei neuen Coaches arbeiten wir zusätzlich mit Auditions: kurze Slots im Red Room – in den ersten Minuten muss der Funke überspringen. Ich höre dabei stark auf mein Bauchgefühl: Ist das ein Mensch, mit dem man gern Zeit verbringt? Bringt er oder sie Wärme, Präsenz und Drive?

Wie unterscheidet sich die Schweiz als Boutiquemarkt?

Schweizer – und speziell die Zürcher – haben hohe Erwartungen, vor allem bei der Infrastruktur und dem Look & Feel. Viele Gäste, die Barry’s aus anderen Städten kennen, sagen: „Das ist das schönste Studio, das ich bisher besucht habe.“ Beim Coaching muss der Standard überall gleich hoch sein – das ist ja ein Kernversprechen von Barry’s.

Wer trainiert bei euch – und wie generationenübergreifend ist die Community?

Der Altersdurchschnitt liegt bei etwa 35 Jahren, aber die Range ist grösser: Wir haben auch viele um die 60 Jahre hier. Sehr junge Menschen, unter 20, eher weniger. Die Boutiquepreise spielen da natürlich eine Rolle. Und ja: alle trainieren zusammen. Das ist Teil des Konzepts – Tempo, Gewichte, Intensität lassen sich individuell steuern.

Mit welchen Zielen kommen die Members?

Es ist eher Lifestyle im positiven Sinn: fit sein, stark sein, gutes Cardio – und dieses spezielle Gefühl nach einer Class. Die meisten bringen schon eine gewisse Trainingsbasis mit, weil im Format schlicht wenig Zeit für technische Grundlagen bleibt. Es ist nicht ungewöhnlich, dass viele parallel auch noch ein klassisches Gym-Abo haben.

Wie ist euer Abomodell aufgebaut?

Wir arbeiten mit Class Packages nach dem Pay-as-you-go-Prinzip und mit Memberships. Packages gibt es u. a. als 5er-, 10er-, 30er- und 50er-Paket. Memberships umfassen zwölf, 16 oder 30 Classes pro Monat oder sind unlimited mit dreimonatigem Commitment.

Wie sieht deine Zukunftsplanung aus? Wird es noch weitere Barry’s in der Schweiz geben?

Allerdings! Wir schauen bereits Richtung Romandie – Genf ist als nächstes geplant und wird unsere neue Challenge.

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