Die Generation Z, kurz Gen Z, prägt den Fitnessmarkt wie keine Generation zuvor. Ein globaler Bericht von Les Mills zeigt, wie junge Erwachsene trainieren, durch welche Hürden sie gebremst werden und warum hybride Angebote und starke Gruppenerlebnisse zum Erfolgsfaktor für Clubs werden können.
Die Generation Z wird den Fitnessmarkt langfristig verändern wie keine Generation zuvor. Sie ist nicht nur die grösste Alterskohorte weltweit, sondern entwickelt sich auch zur nächsten relevanten Kaufkraft. Für Fitnessclubs bedeutet dies keinen kurzfristigen Trend, sondern einen strukturellen Wandel mit langfristigen Folgen. Laut McKinsey & Company (2024) zeichnet sich die Gen Z, also die Jahrgänge 1996 bis 2010, durch hohe digitale Vernetzung, ein starkes Bedürfnis nach Authentizität, Nachhaltigkeit und eine pragmatische, gesundheitsorientierte Lebensweise aus. Sie erwartet transparente Kommunikation, echte Werte und personalisierte Erlebnisse auch im Fitnesskontext. Der globale Bericht Gen Z Fitness: Cracking the Code von Les Mills International (2023) liefert eine breit abgestützte, datenbasierte Grundlage zum Trainingsverhalten junger Menschen. Er basiert auf quantitativen und qualitativen Daten von über 4000 Personen im Alter von 16 bis 26 Jahren aus Nordamerika, Europa und Asien.
Holistisches Fitnessverständnis
Vier der fünf wichtigsten Trainingsmotiven stehen im Zusammenhang mit Gesundheit und Wohlbefinden. Genannt werden: fitter werden, sich besser fühlen, Stress reduzieren und gesünder leben. Gleichzeitig geben 47 Prozent an, ihr Aussehen verbessern zu wollen. Fitness ist für Gen Z weder rein leistungsorientiert noch ausschliesslich ästhetisch, sondern Teil eines ganzheitlichen Gesundheitsverständnisses. Die Studie von Azimi Nojadeh et al. (2025) bestätigt dieses Bild. Bewegungsverhalten entsteht aus einem Zusammenspiel körperlicher, mentaler, sozialer und alltagsbezogener Faktoren, was die hohe Nachfrage nach regenerativen und achtsamkeitsbasierten Angeboten erklärt. Auch der Future of Wellness Report von McKinsey & Company zeigt, dass die Gen Z Wellness als alltäglichen, personalisierten Lebensbereich versteht. Bewegung, mentale Gesundheit, Schlaf, Ernährung und Aussehen nehmen sie als zusammenhängendes System wahr (Pione et al., 2025). Chance statt Herausforderung
Hybrid als neuer Status quo
72 Prozent der regelmässig trainierenden Gen Z nutzen hybride Trainingsformen – sowohl im Studio als auch ausserhalb. Diese Gruppe behält länger ihre Mitgliedschaft und trainiert deutlich häufiger als Menschen, die ihr Workout nur im Studio absolvieren. Digitale Angebote ersetzen das Studio nicht, sondern stabilisieren Trainingsroutinen und ermöglichen Kontinuität.
Gemeinschaft verbindet
Trotz wachsender digitaler Angebote bleibt das Fitnessstudio für Gen Z ein zentraler sozialer Ort. 82 Prozent der regelmässig aktiven Gen Z trainieren im Fitnesscenter, 81 Prozent nehmen an Gruppentrainings teil. Innerhalb der Gruppenangebote hat Krafttraining eine Schlüsselrolle inne: 50 Prozent der Kursteilnehmer aus der Gen Z nutzen kraftorientierte Formate. Gleichzeitig sind Mobilitäts- und Mind-Body-Formate stark verbreitet – mit 35 Prozent bei Stretch/Mobility und 33 Prozent bei Yoga. Diese Werte sind nicht als isolierte Kategorien, sondern als überlappende Nutzungsformen zu verstehen. Die Daten legen nahe, dass die Gen Z mehrere Formate parallel nutzt und Krafttraining häufig mit Mobilitäts- oder Mind-Body-Angeboten ergänzt. Diese Befunde werden durch Azimi Nojadeh et al. (2025) gestützt, die körperliche Aktivität eng mit sozialer Einbindung, positiven Emotionen und Selbstwirksamkeit verknüpfen.
Gesichter schaffen Bindung
Ein zentrales, häufig unterschätztes Ergebnis des Les-Mills-Berichts betrifft den Einfluss sogenannter Influencerinnen und Influencer auf das Trainingsverhalten der Gen Z. Dabei geht es nicht um klassische Social-Media-Stars, sondern um glaubwürdige Bezugspersonen im unmittelbaren Umfeld. 71 Prozent der regelmässig trainierenden Gen Z nutzen kostenlose +digitale Inhalte von Fitness-Influencerinnen und Fitness-Influencern im Club, 76 Prozent orientieren sich beim Training zu Hause an diesem Content.
Als Influencer gilt jede Person, die eine Marke authentisch verkörpert und Orientierung bietet. Genau hier liegt ein zentrales Potenzial für Fitnessclubs. Instruktoren übernehmen diese Rolle bereits durch ihre Präsenz, ihre Sprache und ihre Haltung zu Training und Gesundheit. Der Bericht zeigt, dass 55 Prozent der Befragten die gezielte Positionierung von Trainerinnen und Trainern als lokale Influencer als wirksamen Hebel für Gemeinschaft und Bindung betrachten. Instruktoren werden zu Orientierungspersonen in einem fragmentierten Fitnessmarkt. Clubs, die diese Rolle bewusst stärken, investieren weniger in Marketing und mehr in nachhaltige Mitgliederbindung.
Tipps für die Praxis
Die Ergebnisse des Gen-Z-Berichts zeigen, dass ein modernes Kursportfolio allein nicht ausreicht. Entscheidend ist, wie sichtbar, verlässlich und alltagstauglich Gruppentraining im Club umgesetzt wird. Gerade im Schweizer Markt liegt hier grosses ungenutztes Potenzial. Programme nutzen statt nur anbieten Viele Clubs verfügen über hochwertige Programme, nutzen diese jedoch zu wenig. Werden Formate wie BODYPUMP®, BODYATTACK® oder BODYCOMBAT® nur ein bis zwei Mal pro Woche angeboten, entsteht für die Gen Z weder Verlässlichkeit noch echte Auswahl. Programme sollten konsequent über Woche und Tag verteilt werden. Mehrere Slots zu unterschiedlichen Tageszeiten, ergänzt durch kürzere
Formate wie BODYPUMP® 30′ oder 45′, senken Einstiegshürden und machen Training planbar. So werden Programme zu stabilen Trainingsankern statt zu gelegentlichen Einzelereignissen.
Kurze Formate gezielt einsetzen
Zeitlich kompakte Formate wie LES MILLS GRIT® oder LES MILLS SPRINT® sprechen die Gen Z besonders an. Sie lassen sich gut in Pausen integrieren, vermitteln schnelle Erfolgserlebnisse und eignen sich sowohl für den Einstieg als auch als Ergänzung zu bestehenden Kraftformaten. Entscheidend ist, dass diese Angebote sichtbar im Gesamtstundenplan verankert sind und nicht isoliert laufen. Kraft, Cardio und Regeneration gleichwertig abbilden Krafttraining ist der wichtigste Treiber für die Gen Z im Studio. Gleichzeitig sind Mobilität, Regeneration und Achtsamkeit feste Bestandteile ihres Fitnessverständnisses. Diese Balance sollte sich klar im Kursplan widerspiegeln. Nicht die Anzahl einzelner Programme ist entscheidend, sondern ihre sichtbare Gleichwertigkeit. Regenerative Formate sollten bewusst auch zu attraktiven Zeiten stattfinden und nicht nur Randzeiten füllen.
Instruktoren als Aushängeschild
Instruktoren sind einer der wirksamsten Hebel für Bindung bei Gen Z und zugleich oft der am wenigsten strategisch entwickelte. Ihre Wirkung entsteht nicht nur durch fachliche Kompetenz, sondern durch Haltung, Sprache und Beziehung. Clubs sollten Instruktoren deshalb gezielt fördern, weiterbilden und in ihrer Rolle stärken. Regelmässige Feedbackformate, Austausch im Team und Raum für persönliche Stärken unterstützen eine authentische Präsenz. Gleichzeitig lohnt es sich, Instruktoren nicht als austauschbare Kursleiter, sondern als wiedererkennbare Gesichter des Clubs zu positionieren. Sichtbarkeit im Studio, Kontinuität im Stundenplan und eine klare programmatische Zuordnung schaffen Vertrauen.
Kritische Einordnung
Trotz der klaren Muster sollte der Les-Mills-Bericht als das verstanden werden, was er ist: eine gross angelegte Branchenstudie mit starkem Praxisbezug. Die Ergebnisse liefern wertvollen Orientierung, ersetzen jedoch keine unabhängigen Langzeitstudien zum tatsächlichen Trainingsverhalten über mehrere Jahre hinweg. Zudem ist zu berücksichtigen, dass die Gen Z keine homogene Gruppe darstellt. Unter anderem beeinflussen sozioökonomische Faktoren, Bildungsniveaus, Urbanität und kultureller Kontext den Zugang zu Fitnessangeboten erheblich. Die Übertragbarkeit auf den Schweizer Markt erfordert daher eine bewusste Anpassung an lokale Strukturen, Ausbildungsstandards und Angebotsdichte. Offenbleibt, wie stabil hybride Trainingsgewohnheiten langfristig sind und wie sich digitale Nutzungsmuster mit zunehmendem Alter entwickeln. Hier besteht weiterer Forschungsbedarf, insbesondere zur nachhaltigen Bindung junger Erwachsener an Fitnessclubs.
Die Gen Z ist keine Herausforderung, sondern eine Chance. Sie ist motiviert, gesundheitsorientiert und gemeinschaftsbezogen. Sie erwartet jedoch Flexibilität, Glaubwürdigkeit und Orientierung. Clubs, die die Extrameile gehen und Kraft, Cardio, Regeneration und digitale Angebote sinnvoll verbinden sowie ihre Instruktoren als zentrale Beziehungspersonen stärken, schaffen die Grundlage für nachhaltiges Wachstum im Schweizer Markt.

Auszug der Literaturliste
Azimi Nojadeh, H., Abdavi, F., & Yurtsizoğlu, Z. (2025). Health behaviors based on an
active lifestyle among Generation Z: A thematic analysis. International Journal of Sport
Studies for Health, 8(2), 57-70. https://doi.org/10.61838/kman.intjssh.8.2.8
Phillips, J. (n. d.). Landmark report lifts the lid on Gen Z fitness. https://www.lesmills.
com/nordic/clubs-and-facilities/research-insights/fitness-trends/landmark-report-liftsthe-
lid-on-gen-z-fitness/
Pione, A., Medalsy, J., Weaver, K., Callaghan, S., Rickert, S., Doner, H., & Dahm, J. M.
(2025). The $2 trillion global wellness market gets a millennial and Gen Z glow-up.
https://www.mckinsey.com/industries/consumer-packaged-goods/our-insights/
future-of-wellness-trends
Les Mills International. (2023). Gen Z Fitness: Cracking the Code. Verfügbar unter: https://
www.lesmills.com/us/gen-fit-training/
McKinsey & Company. (2024). What is Gen Z?. Verfügbar unter: https://www.mckinsey.
com/featured-insights/mckinsey-explainers/what-is-gen-z
Sharma, V., Mahajan, V., Kapse, M., Karhale, A. H., & Surwade, S. (2024). Gen Z’s enduring
commitment to fitness apps: A comprehensive examination. Cogent Business &
Management, 11(1), 2419483. https://doi.org/10.1080/23311975.2024.2419483





