Studie über Fitnesstypen veröffentlicht
Das Verfolgen von Trainingszielen, das Mass an Ehrgeiz und Motivation, die Bedeutung des Trainings und die Verbundenheit zum Studio – diese Grössen können Trainierende einen oder sie stark voneinander unterscheiden. Eine Studie der DHfPG identifiziert erstmals sechs unterschiedliche Fitnesstypen auf dem deutschen Markt und liefert wichtige Handlungsempfehlungen für die Praxis.
Mitglieder sind nicht gleich Mitglieder! Bereits ein loser Blick durch die Studiolandschaft offenbart die unterschiedlichsten Trainierendentypen in deutschen Fitness- und Gesundheitscentern. Fernab von längst überholten, stereotypen Vorstellungen über Menschen in Fitnessstudios finden sich dort Trainierende, die sich in einer Vielzahl von Aspekten unterscheiden. Dazu zählen beispielsweise die Motivation zum Training, der Ehrgeiz mit Blick auf die Zielerreichung, die gesteckten Ziele als solche, die Loyalität und Verbundenheit gegenüber dem Studio, die Liebe zum Training und der Lebensstil.
Mitglieder kennen – wieso?
Warum ist es wichtig, die unterschiedlichen Facetten der Trainierenden zu kennen? Weil Mitglieder eben nicht gleich Mitglieder sind – und einer unterschiedlichen Behandlung bedürfen. Eine Typologie der Fitnesstreibenden ist deshalb wichtig, da so verstanden werden kann, was die Mitglieder tatsächlich zum Training bewegt (Was sind ihre Antriebe zum Training? Was regt sie dazu an, den Fitnesslifestyle auch ausserhalb des Fitnessstudios zu leben?). Und wichtiger noch: Die Kenntnis der Fitnesstypen erlaubt konkrete Handlungsempfehlungen im Hinblick darauf, wie die Mitglieder bewegt werden können – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. So wird ersichtlich, wie mit den Mitgliedern der unterschiedlichen Gruppen kommuniziert werden sollte, um sie weiterhin in Bewegung zu halten. Und das gilt nicht nur für den direkten Kontakt zwischen Mitarbeitenden und Mitgliedern, sondern auch für die richtige Ansprache im Marketing.
Das bedeutet: Das Kennen der eigenen Mitglieder ist von Relevanz für die Kundengewinnung, die Kundenbindung und auch für die optimale Gestaltung des Leistungsangebots. Doch eine derartige Betrachtung der Fitnesstreibenden ist nicht nur für Betreiberinnen und Betreiber von Fitness- und Gesundheitscentern wesentlich, um die Kunden möglichst optimal zu bedienen. Insbesondere ist eine wissenschaftliche Analyse zu dieser Thematik auch deshalb essenziell, damit die Wahrnehmung der Fitnessbranche in den Köpfen der Bevölkerung endlich realistisch und nachhaltig geändert werden kann – weg von stereotypen, überholten Vorstellungen hin zu dem, was die Fitnessbranche tatsächlich ist: facettenreich, vielfältig und ein wichtiger Gesundheitsdienstleister.
Während zum Beispiel Käufertypologien die unterschiedlichen Einkaufsverhalten der Menschen im Handel abbilden oder die Sinus-Milieus (Sinus, 2024) Menschen in Deutschland nach Werteorientierung und sozialer Lage betrachten, um sie anhand ihrer Lebensstile zu unterscheiden, fehlte eine solche Typologie bislang für den Fitnessmarkt in Deutschland. Bislang. Denn die Konsumentenverhaltensforscher der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement (DHfPG) haben sich dieser Aufgabe angenommen und, fussend auf einer breiten Datenbasis, eine Typologie der Fitnesstreibenden in Deutschland erstellt.
Die Fitnesstypen – ein Überblick
Die Inkonsistenten, die Disziplinierten, die Trainingspragmatiker, die Fun-Fit-Trainierenden, die Ambitionsgetriebenen und die Enthusiasten – diese sechs Fitnesstypen wurden im Rahmen der Studie identifiziert. Mithilfe multivariater Analysemethoden wurden Trainierende in Gruppen zusammengefasst, die mit Blick auf die betrachteten Variablen in sich möglichst homogen, im Vergleich zu den anderen Gruppen aber möglichst verschieden waren.
Steckbriefe der Fitnesstypen
Es handelt sich bei den «Fitnesstypen» also um Gruppen von Trainierenden, die hinsichtlich ihres Trainings ähnlich «ticken». Allen gemeinsam ist aber eins: Sie finden den Weg in die Fitnessstudios.
Beschreibt man die Fitnesstypen überblicksartig anhand eines Steckbriefs, werden ihre wesentlichen Charakteristika, die ihre Gruppenzugehörigkeit erklären, schnell deutlich.
INKONSISTENTE | DISZIPLINIERTE | TRAININGSPRAGMATIKER |
Trainingshäufigkeit: 72,7 % einmal pro Woche oder seltener | Trainingshäufigkeit: 82,8 % zwei- bis dreimal pro Woche | Trainingshäufigkeit: 56,3 % einmal pro Woche oder seltener, 40,6 % zwei- bis dreimal pro Woche |
Motivation: gering | Motivation: durchschnittlich | Motivation: durchschnittlich bis eher hoch |
Ehrgeiz: gering | Ehrgeiz: durchschnittlich | Ehrgeiz: durchschnittlich |
Priorität des Trainings: gering, andere Dinge werden bevorzugt | Priorität des Trainings: nur im mittleren Bereich, jedoch ist Training als fester Bestandteil der wöchentlichen Routine etabliert | Priorität des Trainings: durchschnittlich bis eher hoch |
Emotionale Bindung zum Training: nicht vorhanden | Emotionale Bindung zum Training: keine | Emotionale Bindung zum Training: Spass hoch, daneben Pragmatismus |
Hauptmotiv: Gesundheit | Hauptmotiv: Gesundheit, Muskel-/Kraftaufbau | Hauptmotiv: Gesundheit, Muskel-/Kraftaufbau, Flexibilität |
Verbundenheit zum Studio: gering bis durchschnittlich | Verbundenheit zum Studio: auf Durchschnittsniveau, jedoch hohe Zufriedenheit mit dem Studio | Verbundenheit zum Studio: eher hoch |
Zahlungsbereitschaft: durchschnittlich 48,23 EUR pro Monat | Zahlungsbereitschaft: durchschnittlich 63,87 EUR pro Monat | Zahlungsbereitschaft: durchschnittlich 86,08 EUR pro Monat |
«Doch, ich trainiere schon ab und zu.» | «Der Gesundheit zuliebe.» | «Um Job und Familie unter einen Hut zu bringen, muss das Training zeiteffizient sein.» |
FUN-FIT-TRAINIERENDE | AMBITIONSGETRIEBENE | ENTHUSIASTEN |
Trainingshäufigkeit: 63,7 % zwei- bis dreimal pro Woche | Trainingshäufigkeit: 58,6 % viermal pro Woche oder häufiger, 41,4 % zwei- bis dreimal pro Woche | Trainingshäufigkeit: 52,7 % viermal pro Woche oder häufiger, 45,8 % zwei- bis dreimal pro Woche |
Motivation: durchschnittlich bis eher hoch | Motivation: sehr hoch | Motivation: sehr hoch |
Ehrgeiz: durchschnittlich | Ehrgeiz: sehr hoch | Ehrgeiz: sehr hoch |
Priorität des Trainings: durchschnittlich, aber fest als Routine etabliert | Priorität des Trainings: hoch, das Leben wird nach dem Training ausgerichtet, nicht umgekehrt | Priorität des Trainings: äusserst hoch, Training ist wichtiger Teil des Lebens |
Emotionale Bindung zum Training: nur durchschnittlich stark ausgeprägt, das Training macht hauptsächlich Spass, eine tiefere Verbundenheit fehlt | Emotionale Bindung zum Training: sehr stark, Training ist ihre Leidenschaft | Emotionale Bindung zum Training: sehr stark, Training ist ihre Leidenschaft |
Hauptmotiv: Gesundheit, Muskel-/Kraftaufbau, Stressreduktion, Flexibilität | Hauptmotiv: Stressreduktion, Muskel-/Kraftaufbau | Hauptmotiv: Muskel-/Kraftaufbau, Gesundheit, Stressreduktion, Freude an der Anstrengung |
Verbundenheit zum Studio: durchschnittlich bis eher hoch | Verbundenheit zum Studio: hoch | Verbundenheit zum Studio: hoch |
Zahlungsbereitschaft: durchschnittlich 59,08 EUR pro Monat | Zahlungsbereitschaft: durchschnittlich 89,00 EUR pro Monat | Zahlungsbereitschaft: durchschnittlich 60,56 EUR pro Monat |
«Es macht Spass und hält mich fit und gesund.» | «If it doesn’t challenge you, it doesn’t change you.» | «Motivation. Disziplin. Leidenschaft.» |
Fitnesstypen im eigenen Studio erkennen
Die Steckbriefe liefern erste grundlegende Informationen, wie die Fitnesstypen in den Fitness- und Gesundheitscentern Deutschlands zu erkennen sind. Neben der Trainingshäufigkeit zählen insbesondere Motivation, Ehrgeiz und die emotionale Bindung zum Training zu den wichtigen Indikatoren für eine Kategorisierung. Die Rolle, die Training im Leben einnimmt, gibt ebenfalls Aufschluss darüber, um welchen Fitnesstyp es sich bei einem Kunden oder einer Kundin handelt. Ist das Training fest in die wöchentliche Routine der Trainierenden integriert, absolvieren sie auch an stressigen Tagen ihr Training, weil es ihnen wichtig ist, oder lassen sie das Training bei der nächstbesten Ablenkungsmöglichkeit ausfallen? Diese Ernsthaftigkeit, mit der ein Training absolviert wird, gepaart mit der emotionalen Verbundenheit zum Training, machen eine Einteilung möglich. Es ist also wichtig, die einzelnen Facetten in Kombination zu betrachten, um die Typen unterscheiden zu können. Ein Beispiel: Training ist sowohl für die Disziplinierten als auch für die Enthusiasten ein fester Bestandteil der wöchentlichen Routine. Was die beiden Gruppen aber unterscheidet, ist die Leidenschaft, mit der das Training betrieben wird. Absolvieren die Disziplinierten ihr Training im Sinne eines «Abarbeitens», weil es der Gesundheit zuliebe getan werden muss, «brennen» die Enthusiasten regelrecht für ihr Training, das ihre Leidenschaft darstellt.
Hilfestellungen
Nachfolgende Überblicksgrafiken helfen, die Fitnesstypen für Studios greifbarer zu machen. Die Trainingshäufigkeit gestaltet sich durchaus unterschiedlich. Enthusiasten und Ambitionsgetriebene weisen die mit Abstand höchsten durchschnittlichen Trainingszeiten pro Woche auf. Beide Gruppen trainieren sehr häufig und mit Herzblut – dass die Trainingszeit der Enthusiasten dabei noch höher ausfällt als die der Ambitionsgetriebenen, lässt sich vermutlich mit der primär bevorzugten Trainingsform begründen. Sind Enthusiasten eher in Fitness- und Gesundheitscentern zu finden, trainieren Ambitionsgetriebene häufig in CrossFit®-Boxen, wo das Zeitkonzept ein anderes ist. Anders als diese beiden Gruppen bewegen sich Disziplinierte und Fun-Fit-Trainierende im mittleren Bereich. Trainingspragmatiker sind häufig in EMS-Centern zu finden und kommen daher auf die geringste Trainingszeit pro Woche. Bei den Inkonsistenten ergibt sich die ebenfalls geringe Trainingszeit aufgrund der fehlenden Motivation und Priorität des Trainings in ihrem Leben (vgl. Abb. 1).
Auch Motivation und Ehrgeiz trennen die Fitnesstypen voneinander (vgl. Abb. 2). Die emotionale Bindung zum Training wird anhand der Variablen Spass, Liebe und Leidenschaft abgebildet. Während Spass eine recht lose Bindung an das Training beschreibt, spiegeln Liebe und vor allem Leidenschaft den Grad der emotionalen Verbundenheit mit dem Training wider (vgl. Abb. 3). Letztlich gestaltet sich die Rolle, die Training im Leben der unterschiedlichen Fitnesstypen spielt, wie in Abbildung 4 dargestellt.
Was bedeutet dies nun für den Studioalltag?
Die Studie zeigt: Ein genaues Hinschauen ist essenziell wichtig, um langfristig erfolgreich zu sein. Denn im Anschluss an die Identifizierung der unterschiedlichen Trainierendengruppen gilt es, diese entsprechend zu behandeln.
Studiobetreibende in Deutschland sollten sich die Frage stellen: Was braucht das Mitglied der jeweiligen Gruppe am ehesten? Welche Stellschrauben gilt es zu drehen? Während Trainingspragmatiker beispielsweise ein optimal vorgefertigtes Training konsumieren möchten, das in ihrer knapp verfügbaren Zeit den optimalen Nutzen bietet und maximal effizient ist, brauchen Inkonsistente Motivation und ein Ziel vor Augen, das es zu verfolgen gilt. Disziplinierte brauchen eine emotionale Bindung an das Training, Enthusiasten das Gefühl, von «ihrem» Studio gesehen zu werden.
Werden Fitnesstypen vor diesem Hintergrund betrachtet, bieten sie ein vielfältiges Potenzial für die Fitness- und Gesundheitscenter Deutschlands. Doch nicht nur die Center selbst profitieren von einer zielgruppenangepassten Behandlung. Auch die Mitglieder sind eindeutig Nutzniesser, weil viel individueller auf sie eingegangen wird, sodass eine Win-win-Situation vorliegt. Gut ausgebildetes Personal, das auch im richtigen Umgang mit Kunden geschult ist, kann helfen, die Trainierenden anhand ihrer Charakteristika in die unterschiedlichen Gruppen einzuordnen und entsprechend zu behandeln.
Fazit
Was bewegt die Mitglieder in Fitness- und Gesundheitscen-tern in Deutschland, und wie können sie durch das entsprechende Leistungsangebot und den richtigen Kundenumgang nachhaltig bewegt werden? Die Typologie der Fitnesstreibenden 2024 identifiziert insgesamt sechs unterschiedliche Fitnesstypen, die sich in ihrer Motivation, ihrem Ehrgeiz und ihrem emotionalen Bezug zum Training unterscheiden.
Deutsche Fitness- und Gesundheitscenter tun gut daran, ihre Mitglieder vor diesem Hintergrund genauer zu betrachten und zielgruppenspezifisch zu agieren. Die Studie zeigt auf, wie mit den jeweiligen Gruppen umzugehen ist, welche Stellschrauben es zu drehen gilt und welche Potenziale die einzelnen Gruppen, auch in Abhängigkeit des notwendigen Betreuungsaufwands, für die Fitness- und Gesundheitscenter bieten. Denn: Mitglieder sind nicht gleich Mitglieder.
Literaturliste
Sinus Markt- und Sozialforschung GmbH. (2024). Was sind Sinus-Milieus®? Verfügbar unter https://www.sinus-institut.de/sinus-milieus